Das Geschwindigkeits-Karussell

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Gerade habe ich einen Tag lang mit Ärzten an ihrer Sprache gearbeitet. Sie hatten eine mehrtägige Fortbildung. Zum Part Kommunikation habe ich den Medizinern bewusste Sprache nach Lingva Eterna nahegebracht. Es war eine gemischte Gruppe, niedergelassene und Klinikärzte, junge Fachärzte im ersten Jahr und stationsleitende Oberärzte, Männer und Frauen. Ein Thema war die Sprechgeschwindigkeit. Es war gegen 15 Uhr, wir hatten bereits vormittags ein Beispiel zum Thema Sprechgeschwindigkeit. Das Thema Sprechgeschwindigkeit ist ein provokantes. Ein junger Arzt, Anfang 30, verteidigte leidenschaftlich das schnelle Sprechen: „Natürlich sprechen wir Ärzte schnell. Das müssen wir auch. Sonst schaffen wir unsere Arbeit am Krankenhaus nicht.“ Eine spannende Aussage. Sie wirft auch ein Licht darauf, wie der Zeitdruck in unseren Kliniken sich auf alles auswirkt und was das mit den Menschen macht, die dort arbeiten.

Warum ist das Sprechtempo ein provokantes Thema? Zum einen merken die Redner oft gar nicht, wie schnell sie sprechen. Sie folgen nur der Geschwindigkeit ihrer Gedanken. Denken geht schneller als sprechen. So fühlen sich viele auf den Schlips getreten, wenn ich sage, sie sprechen zu schnell. Außerdem meinen viele, langsamer zu sprechen bedeutet, seinen Mitmenschen Zeit zu klauen, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, einfach zu nerven. Jeder hat sicher schon mal einen Menschen erlebt, der seinen Wortbeitrag unangenehm ausdehnt. Das ist allerdings in den seltensten Fällen das Tempo, sondern die weit ausholenden, oft unsortierten Gedanken. So etwas bremst, ist unangenehm.

Welche Wirkung hat schnelles Reden? Es wirkt gehetzt, nicht kompetent, der Zuhörer ist vielleicht frustriert, weil er nicht alles verstanden hat. Es kann sogar arrogant wirken. Das habe ich gerade erst wieder auf einer Schul-Informationsveranstaltung erlebt, als der Rektor einfach viel zu schnell seine Gedanken ins Publikum „abgefeuert“ hat.

Gerne frage ich dann die Schnell-Redner, ob sie so wirken wollen? Das will keiner. Die Erkenntnis kommt, langsamer sprechen ist besser. Nur wie? Beim Autofahren müssen wir nur den Fuß vom Gaspedal nehmen und werden automatisch langsamer. Beim Sprechen haben wir kein Gaspedal. Es braucht Hilfestellungen. Und die sind: kürzere Sätze und Pausen. Mit diesen beiden Mitteln schaffen Sie es,  Ihr Sprechtempo zu reduzieren. Das ist anstrengend. Das weiß ich. Oft gilt es dann, Sätze neu zu formulieren, weil aus einem zwei Sätze geworden sind.

Die Mühen lohnen sich. Das verspreche ich Ihnen. Versuchen Sie, immer wieder mal an das Sprechtempo zu denken. Das Spannende ist, dass Sie nach einer Weile sogar mehr Zeit haben werden, obwohl Sie langsamer sprechen. Warum? Sie brauchen das Gesagte nicht mehr wiederholen. Ihr Gesprächspartner hat alles beim ersten Mal verstanden.

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1 Kommentar zu „Das Geschwindigkeits-Karussell“

  1. „der Zuhörer ist vielleicht frustriert, weil er nicht alles verstanden hat“. Ich glaube, dass manche Schnellsprecher es ganz bewußt auf diesen Effekt anlegen. Ein Schnellfeuer von Schachtelsätzen, ordentlich mit Fremdwörtern angereichert, soll dem Zuhörer das Gefühl geben, er sei zu dumm um den brillianten Gedanken des Sprechers folgen zu können. (Den angesprochenen Ärzten will ich so etwas natürlich nicht unterstellen)

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