In unseren Präsentations-Trainings werde ich manchmal gefragt, was für mich das stärkste rhetorische Mittel sei. Ich lege mich nur ungern fest und es gibt eine Menge feiner Kniffe, das gesprochene Wort noch eindrucksvoller zu machen. Doch wenn ich mich entscheiden muss, dann sage ich: es ist die Pause. Die Pause ist das stärkste Mittel beim Reden. Das klingt nach einem Gegensatz, ist jedoch keiner. Erst die kurze Stille zwischen zwei Sätzen hilft, das Gesagte zu verstehen, zu verarbeiten. So viele Menschen neigen dazu, wasserfallartig Informationen über ihr Gegenüber auszuschütten. Und dann wundern sie sich, dass sie Dinge mehrfach wiederholen müssen, weil angeblich keiner gescheit zuhört. Doch es ist genau andersherum. Die meisten Zuhörer wollen verstehen, doch der Kopf kann die einzelnen Informationen nicht dekodieren.

Die Pause ist die Unterbrechung einer Tätigkeit, eine kurze Zeit der Rast und Erholung. Wir alle kennen die kleine und die große Pause, die den Schultag strukturiert, die Sommerpause der Politik, die Winterpause beim Fußball, die Pause in einem Musikstück und ganz früher die Sendepause im Fernsehen nach Mitternacht. Das Wort kommt vom lateinischen „pausa“ und meint das Innehalten.

Am Wochenende widmete die Süddeutsche Zeitung der Pause eine lange Geschichte. Der Journalist Werner Bartens beleuchtete die verschiedensten Spielarten des Innehaltens in dem Artikel „Ab in die Pause“. Obwohl die Menschheit so gesund wie noch nie in ihrer Geschichte sei, fühlten sich die Menschen so erschöpft wie nie.  Viele sähen sich in der Rushhour des Lebens gefangen, zwischen Job, Familie, Freizeit und dem Versuch auch noch die eigene Freiheit zu erleben. Bei dem Ansatz jede Minute des Tages bestmöglich zu optimieren, bleibt neben der Kreativität auch oft die Gesundheit auf der Strecke.

Dabei ist unser ganzes Leben auf dem Wechsel von Anspannung und Entspannung aufgebaut. Unser Herz schlägt so, bei jedem Atemzug spannt sich auch das Zwerchfell an und entspannt sich wieder, um Platz für die Luft in den Lungen zu machen. Auch unsere Nerven funktionieren so. Der Mensch sei von seiner elektrischen Verschaltung her so veranlagt, dass bereits aktivierte Nervenzellen nicht sofort wieder reagieren könnten, wenn ein neuer Reiz anklopfe. Sie brauchten eine Ruhephase, führt Bartens aus. Die Pause ist also gesund. Sehr gesund.

Mein Tipp. Sie können sich beim Sprechen auch Pausen gönnen. Winzig kleine Sprechpausen. Machen Sie einen Punkt am Satzende und dann eine Pause. Das wirkt Wunder.

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