Kennen Sie den Filmausschnitt von Gerhard Polt, wo er im Schrebergarten ist und „diese Ruhe“ beschwört, wegen der er so gerne im Schrebergarten weilt. Der bayerische Kabarettist ist dabei umgeben von Lärm. Rasenmäher, Flugzeuge, Autos … Heute wären noch Laubbläser und Boomboxen dabei, die gab es in den 80ern noch nicht.

Letzte Woche habe ich mich an diese Szene bei Polt erinnert. Ich habe mehrere Tage in Nürnberg gearbeitet und eine Ferienwohnung zur Übernachtung gemietet, an einer Nebenstraße, in zehn Minuten Fußweg zur Pegnitz. Eigentlich eine gute Idee und trotzdem wußte ich vor Lärm nicht wohin mit mir. Eine Baustelle an der Wohnung, Baubeginn um 07.00 Uhr. Neben dem Gebäude, in dem ich tagsüber gearbeitet habe, wurde das Nachbarhaus entkernt. Vor allem mit einem Presslufthammer. Lärm macht müde und aggressiv.

Ich war so froh und dankbar, als ich wieder in Schondorf war. Als es wieder ruhig war, hatte ich Zeit, mir über das Wort „Ruhe“ Gedanken zu machen. „Die Ruhe“ ist schon sehr alt, das Wort hat indogermanische Wurzeln. Das bedeutet, dass schon dreitausend Jahre vor Christus die Menschen ein Wort mit der Wurzel *re kannten, das „ruhen“ bedeutet. Unter „ruhen“ gibt es die Ausführungen: „Ruhe pflegen, sich durch Nichtstun erholen, schlafen, nicht in Tätigkeit/Betrieb sein“. Das klingt gut, schon fast revolutionär, denn sich einfach durch Nichtstun erholen? Kein Powernapping oder Aktiv-Tiefen-Entspannungsübungen machen, nur einfach „ruhen“?

Beim Adjektiv „ruhig“ zählt das Herkunftswörterbuch noch auf: „sich nicht bewegend, ohne Lärm, leise, ohne Spannungen, Aufregungen, Zwischenfälle, ohne Hast, gemächlich, von innerer Ruhe zeugend, gelassen“. Hier gefällt mir das Wort „gelassen“ gut, es ist ein innerer Zustand, den ich erstrebenswert finde.

Wie benutzen wir heute das Wort „Ruhe“? Gerne mal in dem Zusammenhang von „Ruhestörung“, wenn jemand anderes zu laut ist und mich in meinem Rückzugsort (Wohnung) stört, vor allem zu den „Ruhezeiten“ von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr und zwischen 13.00 und 15.00 Uhr. Ruhezeiten müssen auch LKW-Fahrer einhalten. Ein Mensch mit einem niedrigen Ruhepuls ist meist gut trainiert. Kinder die laut weinen, müssen erstmal beruhigt werden und viele Menschen freuen sich auf den Ruhestand. Hoffentlich haben sie dann noch ausreichend Zeit, bis die ewige Ruhe kommt und ein Pfarrer sagt „Möge er/sie in Frieden ruhen“.

Das Wort „Ruhe“ begleitet uns also von der Geburt bis in den Tod. Ich nehme mir vor, das Wort wieder bewusst auszusprechen. So etwas wie: „Ich mache diese Aufgabe jetzt in Ruhe fertig.“ Das klingt so entspannt. Übrigens krähende Hähne, quakende Frösche und spielende Kinder gelten laut deutscher Rechtsprechung nicht als Ruhestörung.