Der heutige Blog handelt über Kriegs- und Gewaltsprache, es geht um Fußball und um einen Gefallen, um den ein Kollege bittet. Sprache kann friedlich sein und Sprache kann kriegerisch sein. Das hat eine große Wirkung auf den, der spricht und den, der zuhört. Und jeder von uns hat die Möglichkeit, sich für Krieg oder Frieden zu entscheiden. Wollen Sie Beispiele hören?

Das eine hat einen aktuellen Anlass, es geht um die Berichterstattung zur Pressekonferenz, die die Bayernchefs Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zum Thema Medienschelte vergangenen Freitag abgehalten haben. Ich habe darüber im Radio ein Interview mit einem vor Ort anwesenden Journalisten gehört. Der Reporter sprach von „Blendgranaten“, die der Hoeneß geworfen habe und „Ablenkmanövern“. Diese Metaphern sind gewalttätig. Die Herkunft ist vom Militär. Blendgranaten oder auch Nebelkerzen (dieses Synonym verwenden Journalisten auch gerne) sind dazu da, den gegnerischen Bodentruppen, die Sicht zu erschweren und damit einen Angriff abzuwehren oder den eigenen einzuleiten. Nur sind wir hier nicht im Krieg. Warum braucht es so eine Wortwahl?

Ich habe noch ein Beispiel. Neulich sprach ich mit einer gebürtigen Engländerin, die seit fast 20 Jahren in Deutschland lebt und heute als Übersetzerin arbeitet, über Kriegs- und Gewaltsprache.  Die gibt es – by the way – auch im Englischen. Ich habe ihr eine durchaus übliche deutsche Redewendung erklärt: „Ich habe ein Attentat auf Dich vor.“ Die Engländerin kannte diese Formulierung aus einem früheren Bürojob und fand sie schrecklich. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes immer erschrocken, wenn sie diese Worte gehört hat. Sie hatte geglaubt, dass sie etwas falsch gemacht habe und deswegen der Kollege eine Art „Wiedergutmachung“ forderte. Dabei ist das Attentat doch nur eine Bitte, die der Kollege hat. Es sollte heißen: „Ich habe eine Bitte an Dich.“ Oder auch: „Ich bitte Dich um einen Gefallen.“ Denn genau das ist es, was der Kollege will: Hilfe! Er wünscht sich eine Unterstützung, die über das normale Maß hinaus geht. Keineswegs will er die gefragte Person töten. Warum dann diese gewalttätige Formulierung? Ich fand sie schon immer schlimm und mit dem Wissen, dass ein Nicht-Muttersprachler sie auch noch so falsch verstehen kann, finde ich sie noch schlimmer.

Häufig höre ich bei den Liebhabern von angriffslustigen Metaphern, dass doch jeder wisse, wie das gemeint sei mit den Scharmützeln, den Attacken, den Bomben, die gerne mal in Kinderzimmern einschlagen oder den Blendgranaten. Die Blendgranaten seien halt einfach bildstark und ich sei pingelig. Das mag sein. Ich finde, die Wortherkunft schwingt mit. Solche Bilder bedrücken mich, manche machen mir Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke, von wo sie kommen. Wir leben in Europa seit 70 Jahren im Frieden. Und ich will eine friedliche Sprache sprechen. Sie auch?

Mehr zu Kriegs- und Gewaltsprache: In der Sprache liegt die Kraft, von Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf, Herder Verlag