Im Fachmagazin „journalist“ hat es folgende Formulierung zur „Floskel des Monats“ geschafft*: Sozial schwach. Erst stutze ich, denn das hört sich für mich erst mal nur politisch korrekt glatt gebügelt an. Doch diese Formulierung hat es in sich. Die als sozial schwach bezeichneten Menschen sind nicht sozial schwach oder unsozial, sie sind nur einkommensschwach oder wirtschaftlich schwach.

Und das ist etwas ganz anderes. Die Formulierung sozial schwach hat es aus Studien und Untersuchungen über Politikberater und Politiker in die Medienlandschaft geschafft. Eine Allensbach-Studie zum Thema Kindererziehung fand zum Beispiel heraus, dass sich „Eltern aus sozial schwachen Verhältnissen unsicher fühlen, wie sie ihrem Kind in der Schule am besten helfen können.“ Aus solchen Studien entstehen Presseartikel, die wir lesen. Die Formulierung klingt harmlos, als ob sie niemanden verletzen möchte. Nur wer genau hinhört, merkt, wie zynisch sie ist.

In der Februar-Ausgabe des „journalist“, dem Medienmagazin des Deutschen Journalisten-Verbandes, steht dazu: „Soziale Stärke lässt sich nicht vom Kontostand ablesen. Möglicherweise sind arme Menschen sogar sozialer veranlagt. Ein gutes Beispiel für echte soziale Schwäche ist aus unserer Sicht der US-amerikanische Präsident Donald Trump, der trotz seiner Milliarden auf seinen Bankkonten ein teils asoziales Verhalten zeigt.“

Wichtig ist meiner Ansicht nach, achtsam zu sein, dass Missstände klar genannt werden. Wenn die Bundesregierung ihren jährlichen Armutsbericht veröffentlicht, ist es wichtig, mit klaren Worten darüber zu sprechen. Die Empfehlung des „journalist“ dazu lautet: „Am besten schreiben Sie das, wofür sozial schwach tatsächlich steht: finanziell, wirtschaftlich, oder ökonomisch schwach – oder noch besser in drei Buchstaben komprimiert: arm.“

*„Floskel des Monats“, journalist, Februar 2018, S. 9