Heute habe ich einen Buchtipp für Sie. Es geht um das Thema: Persönlichkeitsentwicklung. Unsere Persönlichkeit entwickeln, das wollen wir doch alle. Dafür belegen gerade Führungskräfte teure Seminare. Sie wollen sich weiter entwickeln. Das Mittel, das ich Ihnen dazu empfehle, ist ungewöhnlich, es ist die Sprachstruktur. Das Buch dazu heißt „Meine Sprache und ich – mit Sprachstruktur Persönlichkeit entwickeln“. Es zeigt, dass wir mit einer klaren und wertschätzenden Sprache alles selbst in der Hand haben. Der Autor des Buches ist Arzt für Neurologie und Psychatrie. Und er hat eine große Liebe für die deutsche Sprache. Dr. Theodor von Stockert lehrt seit 2004 am Lingva Eterna Institut in Erlangen und hat ein Sprach- und Kommunikationsmodell mitentwickelt.

Theodor von Stockert gibt auf 200 Seiten erst einen interessanten und leicht zu lesenden Abriss der Geschichte der Sprache. Warum die Mammutjagd die Sprachentwicklung voran gebracht hat und warum es so wichtig war, dass der Kehlkopf ein Stückchen tiefer als beim Affen rutschte, als wir Menschen uns für den aufrechten Gang entschieden haben. Beschwingt taucht der Leser dann in einige grammatikalische Themen ein, die Theodor von Stockert am Herzen liegen. Er zeigt auf, welche Wirkung so kleine Wörtchen wie „aber“, „weil“ oder „nicht“ haben. Das ist beeindruckend. Dr. von Stockert hat sich viel mit Neurolinguistik beschäftigt, das heißt mit dem Zusammenhang von Sprachverständnis und Sprechen auf der einen Seite und den dazu gehörenden Nervenstrukturen in unserem Gehirn auf der anderen Seite. Und während der Leser noch über die Frage nachsinnt, die das Kapitel zur Negation eröffnet: „Was ist ein Nicht-Pferd?“ (Ein Esel, ein Muli oder eine Katze?) pirscht sich der Autor an das weite Feld der Persönlichkeitsstruktur heran.  Wer jetzt hofft oder befürchtet, tief auf die Psycho-Couch zu sinken, der irrt. Theodor von Stockert gibt einen Einblick in wichtige Erkenntnisse der Kommunikation. Die Tipps zur Entwicklung der Persönlichkeit mit Hilfe von Sprache sind handfest. Er empfiehlt ein Flauschherz für cholerische Chefs und macht auf den Unterschied der „großen und der kleinen Würde“ aufmerksam. Auch Wohlfühlwörtern wie zum Beispiel „Sanftmut“ schenkt er eine Seite. Sie öffnet sich wie ein duftender Badezusatz, der sachte in die Badewanne rieselt.

Natürlich erklärt Dr. Theodor von Stockert auch das eigene Sprach- und Kommunikationskonzept von Lingva Eterna, das er zusammen mit der Sprachwissenschaftlerin Mechthild von Scheurl-Defersdorf entwickelt hat. Zugrunde liegen drei Säulen: die Präsenz des Sprechers, die Klarheit der Botschaft und die Wertschätzung des Gesprächspartners. Ebenso grundlegend sind die fünf Schritte des Kommunikationsmodells. Alle Teile sind unbedingt wichtig für gelingende Gespräche und oft fehlt ein Teil. So entstehen Missverständnisse. Oder Gespräche – vor allem berufliche – mäandern erfolglos durch mehrere Meetings, ohne dass ein Ergebnis dabei herauskommt.

Rund macht dieses kurzweilige Buch über Sprache das philosophische Ende. Es geht um Tugenden, Dankbarkeit, Achtung und Werte. Die schönste Nachricht zum Schluss: Unsere Sprache ist schon ein Wert an sich. Sie ist das Element, das uns Menschen verbindet und uns die innere Einsamkeit nimmt. Sie ist ebenso Grundlage für unser gesellschaftliches Leben wie für den Schwatz mit dem Nachbarn. Sprache ist Leben.

Theodor von Stockert „Meine Sprache und ich“, Lingva Eterna Verlag, ISBN NR: 978-3-9811454-6-5, 17,90 Euro

Diesen Buchtipp habe ich auch gerade im Online-Magazin Frieda veröffentlich. https://frieda-online.de/meine-sprache-und-ich/

P.S. Für die ganz korrekten regelmäßigen Leser dieses Blogs: Ja, es ist das erste Mal, dass er nicht an einem Montag, sondern an einem Mittwoch online geht. Ich war gerade zu einem Klimaschutz-Treffen in Jena – übrigens eine schöne, sehenswerte Stadt – und komme erst jetzt zum Veröffentlichen.