Auch Liebhaber des klassischen Kreuzworträtsels werden über die richtige Antwort nachdenken. Die Antwort lautet „aber“. „Aber – das ist doch kein Wort der Aggression!“, sagen sicher einige Ratefüchse. Gerne verrate ich Ihnen im heutigen Blog, warum „aber“ für mich ein aggressives Wort ist.

Das „aber“ ist oft der Beginn einer langen Diskussion, die manchmal wenig wertschätzend verläuft. Weshalb ist das so? Jedes „aber“ ist ein Einwand. Aber-Sager schaffen sich und anderen mit ihrem Denken ständig neue Widerstände und Hindernisse.

Im Lingva Eterna-Sprachkartensatz gibt es zum „aber“ eine Karte mit einem ganz einfachen Satz. Er lautet: „Aber ich habe eine neue Information erhalten.“ Das ist eine ganz übliche Redewendung. Vor kurzem habe ich in einem Sprachtraining mit Ärzten und Pflegepersonal eine Übung mit dieser Karte gemacht. Das geht so: Ein Teilnehmer liest den Satz vor, ein anderer hört hin. Dann stelle ich einige Fragen. Die erste Frage geht an den, der zuhört: „Was kommt bei Ihnen an?“ Die Reaktion des Teilnehmers war erstaunlich klar: Wenn er diesen Satz höre, könne er nicht mehr mitreden. Andere Teilnehmer beschrieben die Wirkung dieses Aber-Satzes so: „Mein Wissensstand ist alt. Ich kann nicht mithalten.“,  „Ich fühle mich klein und doof.“ Oder auch: „Ich habe versäumt, mich auf den neusten Wissenstand zu bringen. Ich bin schuld.“ Ein Teilnehmer spürte sogar Resignation bis hin zur Arbeitsverweigerung: „Alles, was ich vorher gedacht und in die Wege geleitet habe, war umsonst. Denn mein Wissensstand ist überholt. Ich bin frustriert, weil alles wieder von vorne losgeht.“

Meine zweite Frage lautet: „Wie wirkt derjenige, der diesen Satz sagt?“ Auch da waren die Teilnehmer sehr klar: „Er wirkt überheblich, denn er will nur damit angeben, dass er mehr weiß.“

Auf der Sprach-Karte steht auch eine Alternative zum Aber-Satz. Die lautet:  „Ich habe eine neue Information erhalten.“ Also der gleiche Satz, nur einfach ohne aber. Und die Wirkung? Mit diesem Satz wirke der Sprecher friedlich, er wolle zur Diskussion beitragen. Die Reaktionen der anderen Teilnehmern waren: „Er will die Diskussion bereichern und seine neuen Erkenntnisse allen zur Verfügung stellen.“ Eine Teilnehmerin sagte: „Das ist auf Augenhöhe. Ich bin nicht schlecht, weil meine Informationen veraltet sind.“

Ein Wort, vier Buchstaben und eine so unterschiedliche Reaktion. Entweder der Sprecher wird als arrogant und überheblich wahrgenommen oder als kooperativ. Der Zuhörer ist entweder verärgert und resigniert oder neugierig auf das, was jetzt kommt. Es könnte lohnend sein, sich das ein oder andere „aber“ zu ersparen. Oder?

Kartensatz: Die Kraft der Sprache: 80 Sprachtipps von Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf

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