Urlaub, Ferien oder Sommerfrische?

Am Freitag haben in Bayern die Sommerferien angefangen. Viele Familien fahren in den Urlaub. Doch warum haben wir hier zwei verschiedene Worte, um die Abwesenheit von Arbeit oder Schule, vielleicht gepaart mit einem Aufenthalt außerhalb der eigenen vier Wände zu beschreiben? Gute Frage, hier die Antwort.

Das Wort „Urlaub“ hat seine Wurzeln im Mittelalter in der höfischen Kultur. Der Ritter musste um „Erlaubnis“ fragen, um sich zu entfernen – von Damen zum Beispiel oder ranghöheren Männern. Die Vorsilbe er- und ur- sind dicht beieinander – dazu gleich noch ein kleiner Nerd-Exkurs.

Ferien hingegen kommen aus dem lateinischen von dem Wort feriae. Das war ein Festtag, ein Ruhetag, ein Tag an dem Geschäfte und auch das Gericht geschlossen waren. Also für alle. Beim Urlaub hat nur ein einzelner Ritter um Erlaubnis gefragt. Deswegen gibt es auch heute noch die Unterscheidung, wenn eine Institution schließt, sind es Ferien. Das bekannteste Beispiel sind die Schulferien. Kinder, Lehrer … alle haben gleichzeitig frei.

Im Arbeitsverhältnis muss eine Angestellte oder ein Arbeiter Urlaub einreichen, das ist die einzelne Erlaubnis, sich zu entfernen … aus dem Büro oder der Fabrikhalle.

Das Wort „Sommerfrische“ war im 19. Jahrhundert Modewort, denn dann konnten endlich Bürgerliche auch mit der Eisenbahn aus den Städten aufs Land fahren. Früher war das den Adeligen vorbehalten, dass sie für die frische Luft und frisches Essen auf ihren Landsitz fuhren. Die Sommerfrische bezeichnete dabei sowohl den Ort als auch die Dauer. Mit dem Bau der Eisenbahnen wurde das Reisen erschwinglich und auch die Dauer des Aufenthalts kürzer. Es entwickelten sich Pensionen und Gasthöfe, die den Städtern Unterkunft gewährten und so ist der Tourismus entstanden. In Schondorf hat die Bahn viele Sommerfrischler aus München und Augsburg an den See gebracht und einen großen Teil der Dorfentwicklung beeinflusst. Von der Seebadestelle bis zu Gastwirtschaften und Pensionen.

Und hier noch das Nerdwissen zu den Vorsilben.  Er- und ur- bedeutet „heraus, hervor“ und bezeichnet das Einsetzen eines Geschehens oder die Erreichung eines Zweckes … z.B. er-blühen, er-reichen. Er-folg, ist oft oft die Folge zielgerichteten Handelns. Die Vorsilbe er- geht eher auf Verben und davon abgeleiteten Substantiven voran, Ur– bezieht sich öfter auf Substantiven, das zeigt sich noch in Ur-Sprung = Quelle oder Ur-Sache = Veranlassung.

Die Menschen zog es schon immer weg aus dem Alltag. Ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit, egal ob Sie jetzt Urlaub auf Balkonien machen, die Kinder eine Ferienfreizeit oder die moderne Variante der Sommerfrische in den Bergen, die jetzt in Zeiten vom Hitzewelle und Klimawandel Coolcation heißt.

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