In den Weihnachtsferien war ich mit meiner Familie Bouldern. Das ist Klettern ohne Seil. Allerdings sicher und warm in einer Halle. Das macht großen Spaß und ist durchaus anstrengend. Nach dem Klettern haben wir gemeinsam etwas gegessen und getrunken, eine Gastronomie gibt es immer in solchen Hallen. Bei Apfelschorle und Süßkartoffelpommes schweift mein Blick über die Zeitschriften zum Zeitvertreib, zumeist Outdoor-, Fitness- und Reisemagazine. An einer Winterlandschaft mit Sonnenaufgang auf dem Cover bleibe ich hängen und stutze. Der Titel „Der Pilger – Magazin für die Reise durchs Leben.“ Das ist eine Zeitschrift von der ich erstens noch nie etwas gehört und sie zweitens auch gar nicht in dieser Kletterhalle vermutet hätte, wo ich den Altersdurchschnitt und Anzahl von tätowierten Körperstellen enorm senke.

Auch die Journalisten vom Pilger beherrschen das Handwerk und gleich im Morgenrot des Covers prangt der Hinweis „Kolumne von Anselm Grün“. Das zieht auch bei mir, denn Pater Anselm Grün, Benediktinermönch, Führungskräftecoach und Redner ist mir in vielerlei Hinsicht ein Vorbild. Ich habe auch in diesem Blog schon aus seinen Büchern zitiert. *

Pater Anselm schreibt über gute Vorsätze im neuen Jahr und über die sprachliche Unterscheidung von „anfangen“ und „beginnen“. Beide Worte haben eine unterschiedliche Herkunft. „Anfangen“ kommt von „anfassen, anpacken, in die Hand nehmen“. Pater Anselm interpretiert das so: „Wenn wir anfangen, dann bedeutet das, dass wir unser Leben selbst in die Hand nehmen und es formen. Wir hören auf zu jammern, weil wir durch unsere Erziehung schon festgelegt sind.“ Neben Erziehung stehen für mich auch die Umstände, die Lebensumstände, denen sich viele Mitmenschen ausgeliefert fühlen. Ich habe es selbst in der Hand, was ich aus meinem Leben mache.

Das Wort „beginnen“ bedeutet ursprünglich „urbar machen“. Ein Feld urbar zu machen war für unsere Vorfahren eine große Anstrengung. Das war eine mehrtägige, mühselige Arbeit, denn es galt Steine und Unkräuter, vielleicht auch Büsche und Bäume zu entfernen, Terrassen anzulegen und Gräben zu ziehen. Vor so einer großen Aufgabe schrecken viele zurück. Pater Anselm schreibt dazu: „Beginnen ist oft mit Angst verbunden. Wir haben den Eindruck, dass wir es nicht schaffen. Also verschieben wir den Beginn. Doch je mehr wir den Beginn hinausschieben, desto schwerer fällt es uns, anzufangen.“

Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, schöne Worte zu gebrauchen, damit mein Leben schöner wird. Das ist ein Tipp, den mir meine Lehrerin für bewusste Sprache gegeben hat. So ein schönes Wort wie „zauberhaft“. Das bringt mich zum Schluss des Blogs wieder zu meiner Überschrift. Denn beim „zauberhaften Anfang“ habe ich an die berühmte Zeile von Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ gedacht. „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Lassen Sie sich auch 2019 verzaubern. Fangen Sie an, gleich jetzt.

http://sprechperlen.de/james-bond-pater-anselm-und-der-baum/

Foto: Kunstinstallation im Lenbachhaus, München

Der Pilger – Magazin für die Reise durchs Leben, Ausgabe Winter 2017