Heute gibt es den Weihnachtsblog. Es geht um „wissen“ und „weise sein“ und die „drei Weisen aus dem Morgenland“. Das Herrliche an der Vorweihnachtszeit ist für mich, dass meine Gedanken wieder Zeit haben zu mäandern, wenn tatsächlich die Geschwindigkeit des Alltagslebens abnimmt. Und so kam ich gestern von den Krippenfiguren, die ich mit den Kindern aufbaute, hin zu den weisen Wissens-Sätzen.

Der Reihe nach. Zunächst zur Überschrift. Sie ist ein Zitat von Gerhard Stachora. Der Künstler aus Issing schafft Bilder, Gebilde und Wortbilder. Und diesen Advent hing jeden Tag ein neuer Spruch von ihm im Skriptorium in Schondorf. Das ist wiederum ein winziges Häuschen, in dem Kunst ausgestellt wird. Jeden Tag standen ein paar neue kluge Zeilen zum Thema „Wissen“ da. Und so auch dieser: „Wissen braucht Gewissen“.  Mir gefällt der Satz, denn er verdichtet in drei Worten eine ganze Lebenseinstellung. Reine Wissensanhäufung, stures Auswendiglernen oder streberhaftes Schlaumeiern, das bringt Dich nicht weiter. Es ist der achtsame Umgang mit dem, was Du gelernt und erlebt hast.

Ich habe mich dann auch voller Vorfreude auf mein Herkunftswörterbuch gestürzt (das himmelblaue Lexikon aus der Dudenredaktion), denn ich war mir sicher, dass es eine spannende Verbindung der Wörter „weise“ und „wissen“ gibt. Volltreffer! Das Verb „wissen“ hat indogermanische Wurzeln, es ist also richtig alt und bedeutete „erblicken, sehen“. Der Ursprung von „wissen“ ist also „gesehen haben“. Im Griechischen wird „sehen, erkennen“ mit „idein“ übersetzt, daher kommt das Wort „Idee“. Und im Lateinischen heißt „sehen“ wiederum „videre“, und so kommt noch die Vision ins Spiel. Wissen hat eine wirklich große Verwandtschaft, es gehören viel Worte dazu wie „weise, weissagen, verweisen, Gewissen und auch der Witz.“ Ja, das stimmt, ohne Wissen kein Witze.

Zurück zu meiner Krippe und den „Drei Weisen aus dem Morgenland“. Bei meinen verschlungenen Gedanken zu diesen Worten habe ich auch überlegt, wie wohl die weibliche Form von Weiser ist. Ich habe im Duden nachgeschaut (diesmal der gelbe). Sie ist gleich. Der Weise, die Weise. Die Weise ist eine weibliche Person, die weise ist, in der Mehrzahl die Weisen. Folglich könnten die drei Weisen aus dem Morgenland auch Frauen sein – rein grammatikalisch gesehen. Nun gut, das ist vermutlich wieder eine neue Geschichte…

Ich wünsche jetzt allen Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein lichtvolles neues Jahr.