Für einen Kunden habe ich gerade ein Angebot geschrieben „Wertschätzendes Feedback geben“. Bei uns Sprechperlen geht es natürlich um die Frage: „Wie sage ich es?“ Was auch spannend ist, warum sich das englische Wort „Feedback“ bei uns so eingebürgert hat? Welcher Vorgesetzte oder Kollege sagt im Job die deutsche Variante: „Ich gebe Dir eine Rückmeldung.“? Es hat so eine leicht offizielle Note, wahrscheinlich weil das Wort „Meldung“ darin vorkommt. „Meldung machen“, hat für mich einen militärischen Unterton. Wobei eine „Meldung“ auch einfach im Journalismus eine „Neuigkeit“ bedeutet. Für die meisten jungen Menschen schwingt das „sich melden (müssen)“ im Unterricht mit. Der „Meldeschein“ oder die „Anmeldung“ haben auf jeden Fall einen ordnenden, bürokratischen Charakter.

Was könnte es denn noch geben? Beim Fernsehen haben wir nach jeder Sendung eine Sendungskritik gemacht, also eine Nachbesprechung. Besprechen gefällt mir, weil es neutral ist. Da kommt auch Lob vor und nicht nur Kritik. Einige Unternehmen haben inzwischen viele  „Feedback-Gespräche“. Neben dem Klassiker, dem Jahresendgespräch (dieses Jahr oft Online), machen viele Firmen inzwischen alle 90 Tage „Standort- oder Status-Quo-Gespräche“. Ob es dann mehr Lob gibt?

Ich komme nochmal zum Wort „Feedback“. Unternehmen wollen ihre Feedback-Kultur fördern. Das bedeutet, Fehler nicht mehr als Karrierekiller zu vertuschen, sondern offen anzusprechen und aus den Fehlern zu lernen. Im besten Fall aus dem Fehler sogar eine Erfindung kreieren. Beim „Fördern der Feedback-Kultur“ taucht über kurz oder lang auf jeden Fall das Wort „Wertschätzung“ auf. Es ist fast der deutsche Begleiter zum englischen Begriff geworden. Die „Wertschätzung“ ist ein zusammengesetztes Hauptwort aus „Wert“ und „Schatz“ oder „schätzen“. Die Herkunft des Wortes „wert“ ist sprachgeschichtlich nicht hundertprozentig sicher. Es kann zur Wortgruppe um „werden“ gehören. Das Zeitwort „werden“ ist mit dem lateinischen „vertere = drehen, sich wenden“ verwandt. „werden“ ist also der Wandel von einem Zustand zum nächsten, wobei verschiedene Facetten eines Potenzials zum Vorschein kommen.

Dementsprechend hängt der Wert, der einem Ding oder einem Wesen innewohnt, mit seinem Wandlungspotenzial zusammen. Für mich eröffnet sich da viel Raum für individuelle Stärken, die hoffentlich jede Chefin und jeder Chef an seinen Mitarbeitern schätzt.

Ich brauche jetzt nur noch den Dreh zu meinem Foto. Ich wertschätze Spaziergänge bei Sonnenuntergang sehr… und oft mache ich mit meiner Geschäftspartnerin „Walk & Talk“, wir besprechen und reflektieren den Arbeitstag und anstehende Projekte. Also irgendwie Feedback, nur viel schöner.