Am Mittwoch ist St. Martinstag. Doch die von den Kindergärten organisierten Laternenumzüge fallen diesen November aus. Kein Pferd, das voranreitet, keine Lieder, kein Gebäck und Punsch. In vielen Orten wie auch hier in Schondorf stellen die Bewohner am Mittwoch dennoch Kerzen an die Fenster und vor die Haustüren, damit die Kinder bei einem Abendspaziergang mit der Familie und ihren Laternen ein bisschen St. Martins-Gefühl haben. Licht in der dunklen Jahreszeit. Das ist für mich ein guter Anlass auf das Wort „Licht“ zu schauen.

Das Wort „licht“ hat eine lange Geschichte. Es geht auf die indogermanische Wurzel *leuk zurück und bedeutet „leuchten, strahlen, funkeln“. Das lateinische Wort für Licht ist „lux“ und hier habe ich eine nette Wortgeschichte gefunden. Der Luchs, der inzwischen wieder ab und zu durch unsere Wälder streift, ist nach seinen funkelnden bernsteingelben Augen von ungewöhnlicher Sehschärfe als „Funkler“ benannt, „lux“ wird zu Luchs. Das Verb „lucere“ das „leuchten, glänzen“ heißt, führte übrigens zu „illuster und illustrieren und der Illustrierten“ also den Zeitschriften, die mit vielen Fotos glänzen und auf sich aufmerksam machen.

Im Mittelalter war das Wort „Licht“ gleichbedeutend mit einer brennenden Kerze, denn es war oft die einzige Lichtquelle. Klar, erst seit der Elektrifizierung können wir zwischen Kerze und Glühbirne wählen. Vor einer Woche gab es gegen 17 Uhr in meiner Straße einen Stromausfall, Bauarbeiter hatten ein Kabel beschädigt. Schnell habe ich alle möglichen Kerzen aufgestellt. Das Dunkel fühlte sich viel dunkler an, denn auch auf der Straße waren keine Laternen an. Die Stimmung war schön. Für mich ist eine Kerze viel mehr als nur ein Licht, sie lädt zum Träumen ein, zum Andächtig und Nachdenklich sein. Ich werde auf jeden Fall am Mittwoch viele Kerzen aufstellen und hoffen, dass ich bei Einbruch der Dunkelheit hören werde: „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.“

Die Sterne im Bild sind die Andromeda-Galaxie. Foto: Alexander Grellmann