Das ist die Überschrift eines Kommentars vor einigen Tagen in der Süddeutschen Zeitung. Sanftmut. Das Wort hat mich sofort magisch angezogen. Der Untertitel lautet: „Wenn Zornausbrüche ebenso wie Häme und die Abwertung anderer zum Repertoire des mächtigsten Mannes der Welt gehören, ist es Zeit, alte Werte neu zu entdecken.“ Die Autorin Jagodo Marinic hat einen klugen Bogen geschlagen von Trump, über die deutsche Politik und bis hin zum gesellschaftlichen Wandel. Sie gibt auch eine Möglichkeit, wie jeder Einzelne damit umgehen kann.

Das Verhaltensmuster von Trumps öffentlichen Auftritten sei immer dasselbe: Abwerten der Anderen, dreiste Verbalattacken und Erniedrigung. Seine Anhänger mögen das als Führungsstärke sehen. Zum Glück herrsche in der deutschen Politik von Merkel, Steinmeier und Co noch mehr Zurückhaltung. Das Verlangen, jede Provokation zu steigern, gibt es hierzulande kaum. Auch wenn das nicht für Pegida-Veranstaltungen gilt. Doch die Gesellschaft sei auch von Härte durchdrungen. Der Härte gegen sich selbst, alles Tun zu optimieren, damit alles effizient sei. Sanft ist anders.

Sanftmut ist ein Wort, das wir selten im Alltag hören. Es ist ein sehr schönes Wort. Schon das laute Aussprechen beruhigt meinen Herzschlag. Probieren Sie es gerne aus.

Woher stammt das Wort? Sanft taucht schon im Mittelhochdeutschen auf und kommt von sachte. Es bedeutete ursprünglich „sich vertragen, einig sein, zu gefallen suchen.“ Es geht demnach also von der Vorstellung des friedlichen Zusammenseins oder guten Zusammenpassens aus. Das Wort Mut ist schon sehr alt. Es hat indogermanische Wurzeln. Zunächst hieß es „nach etwas trachten, heftig verlangen“, im 16. Jahrhundert hat es sich mehr zu „Tapferkeit und Kühnheit“ hin entwickelt.

Für 2017 sehe ich ganz klar diese Bedeutung des Wortes: Es braucht Mut, sanft zu sein. Wir tun gut daran, ein heftiges Verlangen danach zu spüren, es wieder mehr in die Welt zu bringen. Damit wir uns vertragen und friedlich zusammen sein können. Wenn wir uns selbst gegenüber sanft sein können, gelingt es auch, diese Haltung gegenüber anderen auszuüben. Ich werde dieses Wort in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen. Es wirklich aussprechen, nicht nur denken. Denn jedes Wort wirkt. Es wirkt auf mich und auf die Menschen, die es hören. Das erleben auch die Teilnehmer unserer Sprachtrainings immer wieder.

Marc Aurel, römischer Kaiser und Philosoph definierte den Tapferen so: „Nicht derjenige ist tapfer, der sich Ausbrüchen des Zornes überlässt, sondern derjenige, der Milde und Sanftmut besitzt.“

Zum vollständigen Kommentar von Jagoda Marinic