Schon Cicero wusste: „Reden lernt man nur durch reden“. Das ist ein Satz, den wir Sprechperlen oft in Präsentationstrainings unseren Teilnehmern mitgeben. Es ist wie im Sport, nur wenn jemand trainiert, kann er besser werden. Keiner würde einen Marathon ohne Training laufen. Das gilt auch für die Rechtschreibung.

Mein heutiger Blog ist von einem kleinen Büchlein inspiriert. Es heißt: „Warum es nicht egal ist, wie wir schreiben“. Es stammt – Überraschung – aus dem Duden-Verlag. Es ist ein Gespräch zwischen Linguisten, Lehrern, Schauspielern und der Leiterin der Duden-Redaktion. Ich habe es heute früh bei zwei Tassen Kaffee genüsslich gelesen.

Oft wird in den Medien, unter Arbeitgebern und auch Eltern moniert, die Schüler und jungen Menschen heutzutage könnten keine Rechtschreibung mehr, keine Kommas setzen, keinen korrekten Genitiv mehr bilden. In diesem Gespräch in der Duden-Redaktion beleuchten die Autoren sehr gut, welche Anforderungen an die heutigen Schulen gestellt werden. Die Kinder lernen im Deutsch-Unterricht neue Kompetenzen, zum Beispiel der freie Vortrag, Präsentationen und vieles mehr. Es gibt auch mehr Kinder mit Migrationshintergrund, und es gibt natürlich die digitalen Medien, die die Sprache beeinflussen.

Die Regeln der deutschen Sprache zu lernen ist anstrengend. Es bedarf der Wiederholung wie beim Sport. Und es braucht einen guten Grund für diese Anstrengung. Warum sollen sich Kinder wie Erwachsene anstrengen, um die deutsche Sprache zu durchdringen? Was haben sie am Ende davon?

Dazu habe ich einen großartigen Gedanken in dem Büchlein gefunden. Es beginnt bei der Grundannahme: „Rechtschreibung ist Zivilisation.“ * Es geht noch weiter. Es geht um eine inklusive Gesellschaft, Chancengleichheit, die Durchlässigkeit des Bildungssystems, die in Deutschland oft kritisiert wird. Das „Gleichheitsprinzip“ macht die Rechtschreibung so modern:  Vor dem Gesetz und der Rechtschreibung sind alle gleich. Die gleichen Regeln gelten für alle. Egal ob ein Kind aus einer Hartz 4-Familie oder einem Akademiker-Haushalt kommt. Wenn es die Regeln der deutschen Sprache beherrscht, hat es eine Chance, im Leben weiterzukommen.

Noch ein Zitat zum Schluss. „Es (Anm. die Rechtschreibung) ist der zivilisatorische Standard auf dem kleinsten Nenner. Alles speist sich im Grunde aus einer einheitlichen Gesetzgebung, einheitlichen Lebensverhältnissen, (…). Gleichheit vor dem Gesetz ist Gleichheit vor dem Buchstaben und umgekehrt.“

Das Fazit des Buches ist der Titel:  Es ist einfach nicht egal, wie wir schreiben.  Was das auch mit der äußeren Form zu tun hat, dazu werde ich im nächsten Blog schreiben.

*„Warum es nicht egal ist, wie wir schreiben“, Hrsg. Kathrin Kunkel-Razum,  S.8 , Zitat von Burghart Klaußner und S. 47, Duden-Verlag, 8,00 €