Das wünschte sich neulich eine Teilnehmerin in unserem Seminar „Fokus Olympia: Krisen-Kommunikation“. Sie arbeitet in der Kommunikations-Abteilung eines großen Sportverbandes, der sich auf die olympischen Spiele in Rio vorbereitet. Die Sportler trainieren, die Trainer arbeiten Trainingspläne aus, Koordinatoren halten mit Olympia-Funktionären Kontakt und Pressereferenten machen sich Gedanken über Krisenszenarien. Da gibt es im Leistungssport einiges: Doping, Unfälle, sportlicher Misserfolg, persönliche Verfehlungen von Hoffnungsträgern. Raus aus der Rechtfertigung. Diese Aussage betrifft eine konkrete Situation: eines der eben genannten Szenarien tritt ein und damit die Presse auf. Der Verband organisiert flugs eine Pressekonferenz, um den Wildwüchsen im Netz eine offizielle Variante entgegen zu setzen.
Bei diesem Kommunikations-Training probten die Teilnehmer mehrere Krisen-Pressekonferenzen. Dabei habe ich eine Beobachtung gemacht. Ein kleines Wort hat den Erfolg guter Erklärungsketten vollständig zunichte gemacht und sogar ins Gegenteil gewandelt. Das Wort hat Zweifel an dem Wahrheitsgehalt der Aussage gestreut. Da sind Journalisten sehr achtsam.
Das Wort ist aber. In dem Szenario verletzte sich ein Teammitglied schwer. Es gab Kritik daran, dass der Sportler nach einer vorangegangen Verletzung zu schnell wieder eingesetzt worden sei. In einem Webvideo war eine Trainingssequenz vom Vortag des Wettkampfes aufgenommen worden, die den Sportler mit schmerzverzerrtem Gesicht beim Trainieren zeigte.
Die Erklärung der Pressesprecherin klang zunächst schlüssig.
„Ich kann Ihnen versichern, dass der Sportler in einem guten Gesundheitszustand angetreten ist. Die Teilnahme war mit ihm selbst, dem Arzt, dem Trainer und dem Verband abgestimmt. Der Ausschnitt, des Handyvideos, zeigt ein anderes Bild. Das ist richtig, aber das waren nur zwei Minuten, die zu sehen sind. Das gesamte Training war 45 Minuten lang und nach Aussagen aller Beteiligten lief es sonst gut.“
Schauen wir genauer auf das aber. Die Pressesprecherin sagte: „Das ist richtig, aber das waren nur zwei Minuten.“ Aber ist eine Konjunktion, also ein Bindewort. Es relativiert oder korrigiert die Aussage des vorangegangenen Satzes. In diesem Fall räumt  die Pressesprecherin gegenüber den Journalisten mit der Bemerkung, das sei richtig, einen Fehler ein.  Dann kassiert sie das Zugeständnis gleich wieder mit dem aber ein. Die Einstellung, die hinter einem aber steht, ist die innere Rebellion gegen eine Ungerechtigkeit dieser Welt. In diesem Fall die Ungerechtigkeit, dass 43 Minuten super Training nicht gefilmt worden sind und nur zwei Minuten, die schlecht waren, jetzt im weltweiten Netz zu sehen sind. Ja, das ist ungerecht. Nur dennoch wahr.
Wie wäre es ohne aber gewesen? Probieren Sie es selbst aus, in dem Sie es wieder laut aussprechen. „Das ist richtig. (kurze Sprechpause) Es waren nur zwei Minuten.“ Oder „Das ist richtig, aber es waren nur zwei Minuten.“ Wir sind das aber in unserer Alltagssprache gewohnt. Wir bemerken es oft nicht mehr. Es ist schwer, es gerade in stressigen Situationen zu umschiffen. Ein Tipp von mir: Wenn Sie schon Luft geholt haben und Ihnen das aber auf der Zunge liegt, sagen Sie ein und. Das hilft beim Übergang. Raus aus der Rechtfertigung. Das wünschte sich die Pressesprecherin. Ohne aber wird es ihr leichter gelingen.
Mehr zum „aber“ in: Meine Sprache und ich, Theodor von Stockert, Lingva Eterna Verlag, S. 66ff