Gute Vorsätze und Besinnliches haben Hochkonjunktur zwischen Weihnachten und Heilige-Drei-Könige. Deswegen schreiben auch Zeitungen und Blogs über diese Themen. Das führt dazu, dass wundervolle Worte in den Überschriften Platz finden, wo sonst nur über Krieg und Frieden, Koalition und Opposition und kleine und große Atomknöpfe geschrieben wird. Jetzt gibt es Kommentare zur „Zuversicht“, Hinweise, wie „man  ein guter Menschen wird“ oder bleibt.  Auch ein ganzseitiger Artikel darüber, warum es so gesund ist „Keine Angst“ zu haben, erscheint zum Jahreswechsel.

Mit „Nur Mut“ titelte die Süddeutsche Zeitung vor kurzem den gesamten Wirtschaftsteil*. Als ich das lese, denke ich an den Spruch eines Vorstands in seiner Status-Meldung bei Whats App: „Man sollte öfter mal einen Mutausbruch haben“. Das gefällt mir. Ein Mutausbruch. Nur was genau ist mutig? Ist es für jeden etwas anderes? Gibt es einen „großen“ Mut, wie ihn Whistleblower aufbringen, die Missstände aufdecken, und einen „kleinen“ Mut, wenn sich ein Kind zum ersten Mal traut, vom Fünfmeterbrett zu springen?

Einer der Artikel im monothematischen Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung handelt darüber, dass eben dieser Mut bei VW vor der Dieselaffäre fehlte. Der Mut zum Widerspruch bei offensichtlich nicht realisierbaren Ideen der Führungsetage. In dem speziellen Fall gab es wohl niemanden, der gesagt hat, dass die Vorstellungen von so sauberen Dieselmotoren technisch nicht erreichbar sind – ohne Tricksereien.

Was braucht ein mutiger Mitarbeiter in diesem Fall? Er braucht Wissen, Überzeugung und die richtigen Worte, um in einem Meeting dem Chef zu widersprechen. Denn ob ein Mitarbeiter wirklich den Mund aufmacht, hängt auch davon ab, wie er seine Karriere-Chancen nach dem „Mutausbruch“ sieht. Seine Chancen, gehört zu werden, steigen enorm an, wenn er seine Zweifel gut formuliert und vielleicht auch nach der ersten Verteidigung des Chefs immer noch gute  Argumente hat. Dieser Mut braucht also eine gute Rhetorik – anders als der Sprung vom Fünfmeterbrett.

Mut ist ein sehr altes Wort. Der heutige Wortsinn von „Mut“, der nahe an der „Tapferkeit“ ist, hat sich erst ab dem 16. Jahrhundert entwickelt. Früher war es näher am „Zorn“ und mutig sein bedeutete „streben, trachten, begehren“. Es bezeichnete die wechselnden Gemütszustände des Menschen in seelischen Erregungszuständen.

Spannend finde ich in diesem Zusammenhang auch, wo überall Mut drinsteckt: Langmut, Demut, Sanftmut, Übermut, desweiteren auch das Gemüt, gemütlich, anmutig, vermuten, zumute sein, mutwillig, ermutigen und frohgemut.

Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr viele mutige Momente.

* Süddeutsche Zeitung vom 02.01.2018, „Nur Mut. Eine Ausgabe – Ein Thema“ S. 15-20