Das ist die meistgestellte Frage der Video-Telefonie. Mit Video-Telefonie meine ich Skype, Zoom, WebEx oder BlueJeans. Das Prinzip ist das gleiche: Ich sitze vor meinem Computer und mein Gesprächspartner sitzt woanders auch vor seinem Computer. Woanders ist manchmal in einer anderen Stadt oder sogar in einem anderen Land, manchmal ist es auch nur in einem anderen Stockwerk desselben Unternehmens. Das besondere daran ist, ich kann mit vielen Menschen gleichzeitig sprechen, wir können uns sehen und wir können gemeinsam auf ein Textdokument oder eine Präsentation schauen. Zumindest theoretisch – wenn die Technik funktioniert.

Seit einiger Zeit geben wir Sprechperlen auch Workshops zu dem Thema: „Wie präsentiere ich stark mit Video-Konferenz-Systemen?“ Das Thema ist wichtig.  Viele Unternehmen setzen darauf, denn es spart den Beteiligten Zeit (Reisezeit), Kosten (Reisekosten) und schont damit das Budget des Unternehmens. Es schont auch die Umwelt, gerade wenn ein Teilnehmer auf einem anderen Kontinent dabei ist. Und das finde ich persönlich besonders gut. Rein praktisch befinden wir uns noch in der Experimentierphase. Alle testen. Auch seswegen kommt so oft die Frage: „Hallo, könnt Ihr mich hören?

Bei den Workshops haben wir Sprechperlen bemerkt, dass wir Menschen Gewohnheitstiere sind. Bislang haben wir immer telefoniert. Also nur die Stimme kam über den Äther, egal ob per Leitung, Funk oder Internet. Ob ich im Büro die Stirn runzelte oder im Jogginganzug auf dem Sofa saß, das blieb verborgen. Die meisten Mitarbeiter lassen wohl deswegen lieber die Kamera aus, wenn sie skypen oder zoomen (toll, wie das Produkt neue Verben schafft 😊). Sie fühlen sich unwohl und beobachtet. Dabei hilft das Kamerabild, Distanz zu überbrücken.

Eine Sprechperlen-Empfehlung lautet deshalb: Kamera an, zumindest zu Beginn eines Gespräches oder einer Präsentation. Damit ist das Gespräch über Computer persönlicher. Wenn die Kamera an ist, kommen automatisch die nächsten Fragen: Könnt Ihr mich sehen? Und seht Ihr auch die Präsentation? Die Erfahrung zeigt: alles, was schief gehen kann, geht auch irgendwann schief. Die Leitung bricht zusammen, es gibt Rückkoppelungen oder das Bild friert ein. Ehrlich gesagt, ist das doch immer so, wenn es eine neue Technik gibt.

Auch bei der Einführung des Telefons hat es lange gedauert, bis sich die Menschen daran gewöhnt hatten. 1833 gab es die erste Idee und fast 30 Jahre später 1861 war das Telefon wirklich einsatzbereit … und dann hat es nochmal über 50 Jahre gedauert, bis die Technik ohne Rückkoppelung lief, das war dann 1913.

Ich glaube, dass Video-Telefonie eine Bereicherung der Kommunikation ist. Es wird das persönliche Treffen nie ersetzen können. Doch wenn ich meinen Gesprächspartner kenne und an einem Projekt mit ihm zusammenarbeite, auch über örtliche Grenzen hinweg, ist es ein wundervolles Mittel, Reisezeit zu sparen und vor allem die Umwelt zu schonen.