Zum ersten Mal in der nun schon 5-jährigen Geschichte des Sprechperlenblogs zeigt das Foto ein Gemälde. Der Titel lautet „Die Maskenträgerinnen“ und ist von Heinz Rose*. Das habe ich natürlich mit Bedacht ausgewählt, denn momentan tragen wir ganz oft eine Maske, nicht wie die Damen auf dem Bild über dem Kopf, sondern über Mund und Nase und das ist mein Thema heute. Die Kommunikation mit dem Infektionsschutz ist schwer. Das Sprechen ist anstrengend, das Atmen auch, die Brille beschlägt oft, so man eine trägt. Und was hinter der Maske so hervorkommt ist oft weit weg von klaren Worten.

Nur wir können das Reden in maskierten Zeiten nicht unterlassen, schließlich wollen wir Semmeln kaufen und Obst oder an der Supermarktkasse bezahlen, ein Buch oder eine Pizza abholen. Wer gar zum Friseur geht, hat den ganzen Haarschnitt eine Maske an und erst die Friseurinnen und Friseure. Die reden den ganzen Tag mit dem Stoff vorm Mund. Für alle, die reden und verstanden werden wollen, habe ich einen Tipp. Machen Sie vollständige Sätze. Das hat viele Vorteile. Es ist höflicher, wenn wir uns mit ganzen Sätzen ansprechen, als nur Wortbrocken über die Theke zu werfen. Damit drücken wir Wertschätzung für den anderen Menschen aus. Für das, was er tut, oft ist es eine Dienstleitung für uns. Ihr Gegenüber kann sich mit ein paar Worten mehr auch besser an Ihre Stimme gewöhnen und versteht Sie leichter.

Also statt: „Morgen, drei Sesamstangen bitte.“ Vielleicht so: „Ich wünsche Ihnen einen guten Morgen. Bitte geben Sie mir drei Sesamstangen.“ Wenn Sie sich bewusst auf den Satz konzentrieren, sind Sie selbst auch präsenter. Statt in Gedanken oder ins Handy versunken mehrere Dinge gleichzeitig zu machen, konzentrieren Sie sich auf den Moment des Einkaufens.

Das Thema vollständige Sätze ist bei dem Sprach- und Kommunikationskonzept Lingva Eterna ein wichtiges Thema. Meine Lehrerin und Institutsleiterin Mechthild von Scheurl-Defersdorf hat dazu einen guten Merksatz: Ganze Sätze, ganzes Glück.*

Die Weisheit in diesen vier Worten liegt darin, dass Menschen, denen ständig nur halbe Sätze über die Lippen kommen, oft auch etwas im Leben fehlt. Um beim Bäckerbeispiel zu bleiben, ist es das kleine Glück, wenn Sie morgens mit der duftenden Brötchentüte in der Hand aus der Bäckerei gehen. Sie hatten einen kurzen, netten Dialog mit dem Verkäufer und obwohl der gar nicht Ihren Mund hinter der Maske sehen konnte, hat er die Freundlichkeit in Ihrer Stimme wahrgenommen und zurück gelächelt.  Und Sie konnten es auch an der Wärme der Stimme hören – oder vielleicht am freundlichen Blick sehen.

*Heinz Rose ist ein deutscher Maler, der von 1902- 1971 lebte und auch in Schondorf am Ammersee gewirkt hat. Die Nutzung des Bildes ist mit freundlicher Genehmigung vom „Studio Rose“ www.studiorose.de in Schondorf.

*Das neue, lesenswerte Buch von Mechthild von Scheurl-Defersdorf und Theodor von Stockert heißt „Ein lautes JA zum Leben sagen!“. Darüber schreibe ich sicher demnächst noch einen Blog.