Dieser Blog widmet sich dem Thema Abkürzungen. Unsere Welt ist voll davon. Das hat sicher etwas damit zu tun, dass die Dinge immer komplizierter werden. Der Alltag, bilaterale Handelsverträge, die Globalisierung. Abkürzungen verheißen Vereinfachung. Zwei, drei Buchstaben und ein langes Wort ist weg. Doch das ist trügerisch. Ich finde die meisten Abkürzungen wenig hilfreich, um das Leben zu vereinfachen.

Vor kurzem war ich bei einem großen Verein tätig. Er hat einen Kommunikationsgipfel vorbereitet. Alle ehrenamtlichen Pressebeauftragten waren zwei Tage lang eingeladen, um über Öffentlichkeitsarbeit zu sprechen. Eine gute Sache. Was meinen Sie, wie die Mitarbeiter diesen Event untereinander nennen? Kogi. Ich denke bei Kogi an ein kolumbianisches Volk, das naturnah Kaffee anbaut und verkauft. Dieses Volk heißt Kogi. Es ist keine Abkürzung. Und ich trinke gerne Kogi-Kaffee.

Es gibt Abkürzungen für Sprechfaule. Wie oft höre ich den Satz „Ich habe meine Präsi noch nicht fertig.“ Der Sprecher meint seine Präsentation. „Hast Du schon mal auf die Kalku geschaut?“ Die Kalkulation bleibt stückhaft. Eine große deutsche Boulevardzeitung schreibt gerne von der „groKo“, der großen Koalition. Sparen wir uns wirklich Zeit, wenn wir unsere Worte so verhunzen? Sprechen Sie mal diese Worte laut aus. Präsi. Kalku. GroKo. Das klingt für meine Ohren hässlich.

Es gibt Abkürzungen für WhatsApp und Emails. Von asap (as soon as possible) über lol (laugh out loud) über wg (für die Älteren: wegen, für Jugendliche: wie geht’s?) über tbc (nein, nicht Tuberkulose, sondern to be confirmed, ein Termin oder ein Date). Machen diese Kürzel das Leben nun einfacher?

Es gibt fachliche Abkürzungen. Meine Geschäftspartnerin und ich arbeiten gerade viel für einen Medizintechnik-Hersteller. Die Präsentationen dort sind voll von Abkürzungen. Das Hinterlistige ist, es gibt mehrere sinnmachende Erklärungen. Je nach Zusammenhang. Zum Beispiel ZVK steht sowohl für Zentralverband der Krankengymnasten, als auch Zusatzversorgungskasse und Zentraler Venenkatheter. In einem Krankenhaus kann es durchaus sein, dass ein Mitarbeiter der Buchhaltung bei ZVK an die Zusatzversorgungskasse denkt, eine OP-Schwester sofort an den Venenkatheter.

Das Gemeine an Abkürzungen ist: Sie schließen Menschen aus. In jedem Unternehmen gibt es fachspezifische Abkürzungen. Und überall berichten Mitarbeiter, dass sie die ersten 6 bis 12 Monate in dem neuen Unternehmen nur Bahnhof verstanden haben. Immer wieder, jeden Tag fühlen sie sich als der oder die Neue. Der Depp halt, der keine Ahnung hat. Dabei wollen wir Menschen gerne verstehen. Mein Appell zum Montag: Seien Sie geizig mit Abkürzungen!