Die Inspiration für den heutigen Blog habe ich aus einem Buch von Pater Anselm Grün. Der Titel lautet: „Wie wir leben, wie wir leben könnten“. Es geht um Haltungen, die die Welt verwandeln. In knapp 40 kurzen Kapiteln zeigt der Benediktinermönch, der auch Führungskräfte coacht, welche Möglichkeiten in uns stecken. Im Kapitel, das mit „Hoffend“ überschrieben ist, habe ich eine Erklärung zum Wortursprung gelesen, die mich erst laut auflachen und dann begierig hat weiterlesen lassen.

Das deutsche Wort „hoffen“ ist mit der Wortgruppe „hüpfen“ verwandt. Hoffen hat daher für die Germanen ursprünglich bedeutet: „vor Erwartung zappeln“, „aufgeregt umherhüpfen“. Im deutschen Wort „hoffen“ steckt also die Erfahrung eines freudigen Wartens auf ein Ereignis oder auf das Kommen eines Menschen, den man herbeisehnt.

Nun ist es so, dass zwei liebe Freunde, mit denen ich ehrenamtlich für eine Klimapartnerschaft in Kolumbien zusammen arbeite, mir die Spitznamen „Flummi“ und „Gummiball“ gegeben haben. Das kommt daher, dass ich, wenn ich erstmal in meinem kommunikativen Element der organisierenden Übersetzerin in einer kolumbianischen Kleinstadt im Regenwald bin, kaum zur Ruhe komme. Warum auch, alles ist so aufregend. Zeit zum Schlafen habe ich zu Hause auch noch.

Wenn ich neben „hüpfen“ ein weiteres Wort wählen sollte, um meinen Charakter zu beschreiben, dann passt „hoffend“ sehr gut. Hoffnung ist für mich eine grundsätzliche Lebenseinstellung, die bei all dem politischen Pessimismus, der gerade nicht nur am rechten Rand der Gesellschaft en vogue ist, eine schöne Alternative ist. Es ist für mich ein wichtiger Unterschied zwischen Erwartung oder Optimismus auf der einen Seite und Hoffnung auf der anderen. Erwartungen sind meist sehr konkret. Sie können deswegen enttäuscht werden. Anselm Grün schreibt dazu: „Die Hoffnung kann nie enttäuscht werden. Denn hoffen heißt immer: Ich hoffe auf diesen Menschen, ich hoffe auf das, was ich in ihm noch nicht sehe. Ich hoffe, dass sich in ihm etwas entwickeln wird, dass er mehr und mehr in die Gestalt hineinwachsen wird, die ihm von Gott zugedacht ist.“

Der deutsche Philosoph Ernst Bloch hat in den 60er Jahren sein Werk „Prinzip Hoffnung“ veröffentlicht. Darin stellt er die Grundfrage an uns alle, ob von uns Hoffnung ausgehe oder Enttäuschung und Resignation. Wenn ich in die Welt schaue, habe ich Hoffnung. Ich spüre sogar die Aufgabe, für die Gesellschaft ein lebendiges Gegenbeispiel zu all den Schlechtrednern, Kritikern und Angstmachern zu geben.

Und endlich weiß ich, warum ich in meinem Wesen auch immer dieses Hüpfen habe. Hoffnung ist hüpfend.

Pater Anselm Grün: Wie wir leben, wie wir leben könnten, Herder Verlag