In meinem letzten Blog habe ich zum Thema „Rechtschreibung ist Zivilisation“ geschrieben. Inspiriert hat mich dazu ein Debattenbuch mit dem Titel: „Warum es nicht egal ist, wie wir schreiben“. Es gibt einen wichtigen Gedanken, der in allen Sprechperlen-Trainings eine große Rolle spielt. Diesen greife ich heute auf.

Die äußere Gestalt eines Textes sagt schon etwas über den Inhalt aus. Ist der Text fehlerfrei, traue ich dem Autor auch kluge Gedanken zu. Wimmelt der Text  vor Rechtschreib- und Kommafehlern, dann glaube ich, dass der Autor seine Argumente auch nicht gut und sorgfältig durchdacht hat. Das gilt für geschriebene Texte. Und das gilt für jeden Auftritt.

Das äußere Erscheinungsbild  des Redners hat einen großen Einfluss darauf, ob seine Inhalte beim Publikum ankommen. Wenn sich jemand auf die Bühne stellt oder in einem Konferenzraum aufsteht, um zu präsentieren, wird er zunächst mal von den Zuschauern angeschaut. Der erste Eindruck. Also sehen die Zuschauer, wie der Mensch da steht, welche Kleidung er trägt, ob er gepflegt ist. Es geht nicht um Schönheit. Es geht um Sorgfalt. Dreckige Schuhe lenken im besten Fall nur ab vom guten Inhalt. Wir Sprechperlen haben da schon viel gesehen und erlebt. Ich versichere Ihnen, es hat einen Einfluss. Das Erscheinungsbild des Sprechers wirkt. Seine Powerpoint-Folien wirken. Immer.

Und so ist es im Schriftlichen auch. Bei Bewerbungsunterlagen ist das den meisten Menschen noch klar. Nur es gilt auch für Emails und für Internetseiten, die ja die digitale Visitenkarte eines Unternehmens sind. Wenn ich auf einer Homepage schon im ersten Absatz  Rechtschreib- oder Kommafehler entdecke, halte ich diese Seite für schlecht. Wenn sie für ein Produkt Werbung macht, werde ich es nicht kaufen. Mir geht die Sorgfalt ab. Ich übertrage die schlechte Rechtschreibung auf das Produkt. Professor Dr. Peter Gallmann erklärt das im Debattenbuch so: „Es ist nicht etwa Bosheit, sondern es sind Automatismen, die eine Rolle spielen und nicht ideologisch weggeredet werden können. (…) Der Mensch funktioniert so, dass er abgelenkt wird.“ * Peter Gallmann lehrt die deutsche Sprache der Gegenwart an der Universität in  Jena und betont diesen Aspekt, weil es eben keine Spießigkeit ist, auf korrekte Schreibweise zu achten.

Die Leiterin der Duden-Redaktion, Dr. Kathrin Kunkel-Razum, hat in der Diskussion zum Thema Rechtschreibung ein einfaches Beispiel gebracht. Wenn sie in einem guten Restaurant sitze und die Speisekarte fehlerhaft sei, denke sie sofort: Oh mein Gott, hoffentlich kochen die nicht, wie sie schreiben.

Ich finde dieses Beispiel sehr treffend. Es macht einen Unterschied, ob ich ein „Rinderfilet“ bestelle oder ein „Rinderfilett“ oder „Kartofelsuppe“ statt „Kartoffelsuppe“. Oder?

*„Warum es nicht egal ist, wie wir schreiben“, Hrsg. Kathrin Kunkel-Razum,  Duden-Verlag, 8,00 €. S.44, Zitat von Prof. Dr. Peter Gallmann