Am Samstag saß ich mit der Familie beim Frühstück und überlegte, was ich noch so tun wollte. Ich dachte an unseren Garten, an den Rasen und das bunte Laub, was darauf liegt. Dann fragte ich die Kinder: „Wer recht mit mir?“ Darauf antwortete meine Tochter: „Prima, wen sollen wir rächen?“

Das „ä“ und das „e“ sind ein Quell von kleinen Missverständnissen, wobei gerade bei Nicht-Muttersprachlern die ähnliche Aussprache schon zur Verzweiflung führen kann. Denn während ich an das Gartengerät, den „Rechen“ denke, hört der andere „rächen“ und fragt sich, wem ein Unrecht geschah, das wieder gut gemacht werden soll.

Spannend sind diese Wortpaare sowohl von der Aussprache, als auch von der Herkunft. Bei unseren Sprechperlen-Präsentationstrainings machen wir auch Stimm-Übungen, z.B. zur deutlichen Aussprache. Oft sage ich zu den Teilnehmern: „Es macht doch einen großen Unterschied, ob sie im Wald Beeren sammeln oder einen Bären finden.“ Gerade in der Umgangssprache gibt es eine Art Mehrzweck – E, alles klingt gleich. Warum ist das so? Phonetisch gehört das „ä“ zu den E-Lauten. Es wird als ein kurzes, offenes „e“ ausgesprochen. Wichtig ist, dass beim „ä“ der Mund aufgeht und zwar etwa daumenbreit. Also nicht ganz so weit wie beim Arzt, der einem mit dem Holzstäbchen in den Mund schauen will. Beim geschlossenen „e“ sind die Lippen nur ganz leicht geöffnet, wie bei einem zarten Lächeln. Also mit einem Lächeln sprechen wir „Rechen“ und mit einem offeneren Mund wird daraus „rächen“. Ja, und es klingt sehr ähnlich, probieren Sie es mal. 😊

Interessant ist dann für meine samstägliche Gartenarbeit noch, dass der Rechen eher in Süddeutschland im Schuppen steht, weiter nördlicher gibt es die Harke. Beim Rächen ist die Frage, wer vorher Unrecht erlitten hat, das nun ausgeglichen werden soll. Das Wort „recht“ hat Bedeutungen vom lateinischen Wort „rectus“, das übersetzt „gerade, geradlinig, richtig, recht, sittlich, gut“ heißt.

Wie gut, dass ich einen Rechen verwende und deshalb in Ruhe darüber nachdenken kann, ob ich geradlinig reche und einen guten Laubhaufen mache. Bei der Arbeit mit einem Laubbläser wären mir diese Gedanken sicher nicht gekommen.