Wir hatten bis gestern einen goldenen Oktober. Jetzt stürmt ein Wind die gelben Blätter von den Bäumen. Vor dem blauen Himmel sieht es aus wie ein Goldregen. Ich schaue versonnen dem goldenen Blättertanz nach und assoziiere: gelb, golden, Geld, Gold. Gold klingt so ähnlich wie Geld, nur ein Buchstabe ist anders und beides ist wertvoll. Ich vermute, dass die beiden Wörter miteinander verwandt sind.

Zurück von meinem Spaziergang schaue ich gleich im Herkunftswörterbuch nach, einem meiner Lieblingsbücher. Und…. Ich habe mich geirrt: Geld und Gold haben unterschiedliche Wurzeln. Gold bezeichnet das Edelmetall und bedeutet „das Gelbliche, das Glänzende, das Blanke“. Das Metall ist also nach seiner Farbe benannt. Funde belegen, dass die Germanen Gold schon in der frühen Bronzezeit kannten, also ab 2000 vor Christus.  Gold war für die Germanen schon immer Inbegriff des Reichtums und der Machtfülle.

Das Wort „Geld“ hingegen hat sich erst seit dem 16. Jahrhundert zu der heute üblichen Bedeutung von „Zahlung, Abgabe, Wert, Preis, Zahlungsmittel“ entwickelt. Im Althochdeutschen hieß es noch „gelt“ und war eng verwandt mit dem Verb „gelten“ und „Vergeltung“. Ich finde auch im Lexikon: „Opfer, Kult, Zahlung, Tribut.“ Das Wort meinte ursprünglich eine kultische oder rechtliche Abgabe. Es stammt also aus dem religiös-kultischen Bereich.

Sicherlich empfindet mancher Arbeitnehmer, dass sein Lohn eine gerechte Vergeltung für seine Opfer am Arbeitsplatz sei, ganz so wie gelten für „zurückzahlen, zurückerstatten, entschädigen, für etwas büßen“ steht.  Wer weiß, ob wir ein anderes Verhältnis zu Geld hätten, wenn wir noch in Goldtalern entlohnt würden?

Eine Nettigkeit habe ich noch gefunden. Der in Süd- und Mitteldeutschland gebräuchliche Fragepartikel „ gelt?“ oder auch „gell, gelle?“ für „nicht wahr?“ ist die verkürzte Form der 3. Person Singular von gelten im Konjunktiv und bedeutet „es möge gelten.“

Wir hatten einen echt goldenen Herbst, gell?