Kennen Sie dieses Wort? Es heißt herausgefordert. Im heutigen Blog schaue ich auf englische Worte, die sich in vielen Unternehmen etabliert haben, und forsche, wann und ob sie Sinn machen. Wie zum Beispiel die challenge, also die Herausforderung und dem daraus abgewandelten Verb gechallenged. Oder wie auch die englische Stress-Variante.

In einem Unternehmen war ich bei einer Markenpräsentation dabei. Der Vortragende benutzte mehrfach die Formulierung: „Ja, das müssen wir an der Stelle besonders stressen.“ Ich habe mir diesen Satz, der so recht nicht in den Kontext passte, erst im Nachhinein erschlossen. Im englischen bedeutet to stress betonen. Er wollte also nur etwas betonen, hat mich damit aber in Stress versetzt.

Die Challenge ist inzwischen überall: Die schönen Mädchen bei Heidi Klum bestehen Challenges an ungewöhnlichen Orten und strahlen für den Fotografen an der Kante eines Hochhausdaches.  Journalisten beim Fernsehen, die ein Filmkonzept einreichen, hören oft die Frage vom Chef: „Wo ist die Challenge des Protagonisten?“ Sogar bei den Gemeinden rund um den Ammersee gab es diesen Winter eine Challenge, die „Cold Water Grill Challenge“. Vereine, Belegschaften und Gemeinderäte haben sich mit den Füßen in den eiskalten Ammersee gestellt, dabei gegrillt und so Spenden gesammelt.

Das Verb gechallenged ist herausfordernd, und zwar weil es sehr unpräzise sein kann. Dazu habe ich ein Beispiel aus der Wirtschaft. Neulich trainierten wir Sprechperlen zwei Führungskräfte zum Thema Gesprächsführung.  Es ging darum, eine Entscheidung ihres Chefs zu kommunizieren, die erhebliche Konsequenzen für einen langjährigen Partner hat. Zwischen der Entscheidung und dem Gespräch mit dem Betroffenen lagen etliche Wochen, in der die zwei Führungskräfte erstmal die Entscheidung „im Unternehmen gechallenged haben“.

Was meinten sie damit? Dieses gechallenged umfasste viele Gespräche und Gedanken. Da war zum Beispiel die Nachfrage in der Führungsetage, wie es zu der Entscheidung gekommen sei. Und es gab viele Absprachen mit anderen Abteilungen. Das alles versteckte sich in der Aussage. „Wir haben die Entscheidung bei uns gechallenged.“ Der langjährige Partner wird mit dieser unpräzisen Formulierung wenig anfangen können.  Auch wird es ihn nicht interessieren, ob diese Situation für die beiden Führungskräfte vielleicht auch eine herausfordernde Situation ist. Der Geschäftspartner will nur wissen, was diese Entscheidung für ihn bedeutet.

Zum Glück wird es diesen Satz nicht geben. Wir haben vor dem wichtigen Gespräch trainiert. Die beiden Führungskräfte werden in zwei, drei Sätzen erklären, was in der Zwischenzeit passiert ist.

Meine Empfehlung an alle, die ein berufliches Umfeld voller englischer Begriffe haben, ist diese: Ein Anglizismus ist nicht von vornherein schlecht. Schauen Sie nur, wie präzise die Worte sind. Nicht immer lassen sich englische Worte so einfach in deutsche Sätze einbauen. Sonst lösen Sie nur unnötig Stress aus.