Ich habe lange überlegt, was ich im Sprechperlen-Blog zu Weihnachten schreibe. Dies ist der dritte Text. In dieser letzten Woche vor Weihnachten war so viel los, dass die Entscheidung über das Thema schwer war. Dieses Jahr ist die stade Zeit* an mir vorüber gezogen. Das bedauere ich. Denn es ist eine Zeit der Reflexion. Worum geht es an Weihnachten? Für mich lautet die Antwort:

Folge deinem Stern und setze dich für das Wohl aller ein.

Ich bin achtsam mit dem Personalpronomen „dein“ Stern. Es  könnte an dieser Stelle leicht als Ego-Nummer interpretiert werden. Was ich mit diesem Satz meine, ist das Wissen darum, dass Menschen, die wirklich überzeugt sind von dem, was sie tun, leuchten. Dieses Leuchten steckt andere an. Jeder Mensch hat besondere Fähigkeiten. Wenn es ihm gelingt, diese Fähigkeiten für das Wohl aller einzusetzen, dann kommt die Menschheit voran. Dann gibt es ein echtes Wir-Gefühl. Ja, da ist jetzt eine Menge Pathos drin. Bewusst.

Ich will an dieser Stelle ein persönliches Beispiel geben. Ich setze mich für die Klimapartnerschaft mit einem kolumbianischen Ort im Regenwald ein. Siehe mein letzter Blog. Meine Fähigkeiten sind das Zuhören, mit den Menschen reden, Abläufe organisieren und mit viel Respekt unterschiedliche Kulturen über Sprachgrenzen hinweg zum gemeinsamen Arbeiten bewegen.

Vergangene Woche habe ich für mein ehrenamtliches Engagement viel Gegenwind von einem Lokaljournalisten bekommen. Zunächst stellte er in zwei Artikeln die Sinnhaftigkeit des gesamten Klimaprojektes in Frage, weil ich und auch die Ingenieure nach Kolumbien fliegen. Das ist schlecht für meinen CO2 Fußabdruck. Das weiß ich. Ich gleiche die Flüge bei atmosfair aus. Und ich habe auch die bewusste Entscheidung getroffen, mich am anderen Ende der Welt zu engagieren. Solche Projekte gehen nicht vom Schreibtisch aus. Die Alternative wäre: Wir lassen alles so, wie es ist.

Ich bin davon überzeugt, dass ein Bewusstseinswandel mit kleinen Schritten beginnt. Sonntagmorgens auch bei Regen mit dem Fahrrad zum Bäcker fahren, genauso wie die erste Flussturbine im Dorf der Ureinwohner in Jiri-Jiri installieren. Die Stromausbeute der Turbine werden die Ingenieure nach einem Jahr auswerten. Dann wollen wir mit den gewonnenen Erkenntnissen das Projekt auf andere Orte ausweiten.

Es wäre meines Wissens das erste Projekt, welches nicht noch besser werden kann. Mit einer Turbine anzufangen, empfinde ich als eine stimmige und nachhaltige Vorgehensweise. Ich konnte dieses Argument, wie auch viele andere nicht vorbringen. Der betreffende Journalist hat nicht mit mir gesprochen. Er stütze sich allein auf die Informationen Dritter.

Was lerne ich daraus und was können Sie daraus mitnehmen, wenn Sie mögen? Mich bringt dieser nach Kritik suchende und unausgewogene Artikel nicht davon ab, meinem Stern zu folgen. Ich werde mich weiter für das Klimaprojekt engagieren. Denn ich  habe das Gefühl, etwas Sinnhaftes zu tun. Schon im Februar startet das zweite Projekt zwischen unserer kleinen Gemeinde Schondorf und Puerto Leguízamo in Kolumbien. Es geht darum, Menschen darin auszubilden, einfache Pumpbrunnen für Trinkwasser zu bauen. Wenig Technik, großer Erfolg. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert und unterstützt mit viel Personal unsere Klimapartnerschaft und 49 weitere.

In den Ohren habe ich noch die Worte von Miguel Rubio Bravo. Er war der erste kolumbianische Bürgermeister, mit dem wir die Partnerschaft auf den Weg gebracht haben. Er sagte zu mir: „Nunca faltan los criticos.“ Es gibt immer Kritiker, egal, was Du tust. Nichts zu tun ist für mich keine Option.

Wir Sprechperlen wünschen Ihnen und Ihren Lieben segensreiche Weihnachten und ein glückliches, neues Jahr. Der nächste Blog wird im Januar erscheinen. Vielleicht kann ich die stade Zeit zwischen den Jahren nachholen.

*österreichisch und bayerisch für still