Das „Nicht-Pferd“ ist mein Aufhänger für das heutige Blog-Thema: Verneinungen. Eine solche habe ich gerade in einem Artikel gefunden, der sich mit dem Thema „Deutschlands Rolle für die Weltgesundheit“ beschäftigt.*

Zuerst: Was ist ein „Nicht-Pferd“? Ist es ein Esel oder ein Muli? Oder ist es ein Löwe oder eine Forelle? All das ist ein Nicht-Pferd. Verneinungen sind Doppelbotschaften. Sie verwirren den Hörer. Die häufigsten Verneinungen sind „nicht“ und „kein“. Und sie werden auch oft überhört. Somit tritt genau das Gegenteil ein, von dem, was der Sprecher wollte. Das ist so, weil unser Gehirn zwei Gehirnhälften hat. Die linke Seite steht für Logik und die rechte übersetzt das Gehörte sofort in Bilder und Gefühle. Links kommt das Nicht-Pferd an, rechts sehen Sie sofort ein Pferd.

Nun zur Weltgesundheit: Deutschland hat in den letzten zehn Jahren seine Ausgaben für die globale Gesundheitsvorsorge verdoppelt. Es sind jetzt 850 Millionen Euro. Ein Teil davon geht in die Erforschung von Antibiotika-Resistenzen. Auf dem G20 Gipfel letztes Jahr in Hamburg hat Angela Merkel zugesagt, in Deutschland ein Zentrum für die Erforschung von resistenten Keimen einzurichten. Dafür bekam die Regierungschefin Applaus von vielen Gesundheitspolitikern und den anderen Regierungschefs. Das ging nur in der damals chaotischen Lage unter. Einer der Gesundheitsexperten ist Keith Klugmann. Und er wird mit folgendem Satz zitiert. „Als jemand, der seit 35 Jahren in diesem Bereich arbeitet, kann ich die Bedeutung dieses Zentrums nicht überbetonen.“ Hä? Ich habe diesen Satz drei Mal gelesen, um ihn zu verstehen. Ich betone etwas – ich überbetone es – ich überbetone es nicht – ich kann es nicht überbetonen.

Hätte Herr Klugmann einfach gesagt: „Dieses Zentrum ist wichtig, das kann ich aus meiner 35jährigen Berufserfahrung einschätzen.“, ich hätte ihn sofort verstanden. In unseren Sprechperlen-Trainings sprechen wir von der „erfolgsorientierten“ Sprache. Sagen Sie, was Sie wollen. Und nicht, was Sie nicht wollen.

Das ist ein spannendes Thema, das sich über das berufliche Feld weit ins Private erstreckt. Gerade im Umgang mit kleinen Kindern ist es spannend. Die Aufforderung „Lauf nicht auf die Straße“ ist schwierig, denn die Kinder wissen nicht, was sie tun sollen. Klarer ist: „Bleib stehen.“ Genauso wenig hilft der Hinweis beim Klettern auf dem Spielplatz „Fall bloß nicht runter.“ „Halt Dich gut fest!“ hilft dem Kind viel mehr.

Ist Deutschlands Führungsrolle beim Thema resistente Keime nun „unverzichtbar“ oder vielleicht einfach „entscheidend“? Und beim Lob. Wie oft hören wir: „Das war nicht schlecht.“ Wie schön hört sich an: „Das war gut!“

* „Hauptsache gesund“, Süddeutsche Zeitung, S.14 (Wissen) vom 12.01.2018