In der Wohnanlage meiner Mutter hängt im Eingangsbereich dieses Bild. Jedes Mal, wenn ich vorbei gehe, lese ich es – und lächele. Es ist einfach so nett und geht so leicht. Schon zucken die Mundwinkel nach oben.

Bei Sprechperlentrainings ist das Lächeln immer ein wichtiger Punkt. Oft geben meine Geschäftspartnerin Britta Sander und ich nach einer Videoanalyse die Rückmeldung an einen Teilnehmer: „Lächeln Sie öfter.“ Menschen, die sich konzentrieren, schauen oft sehr ernst.

Das Lächeln wirkt in vielerlei Hinsicht positiv. Es schafft Verbindung mit dem Publikum. Wenn der Redner lächelt, lächelt das Publikum auch häufig. Der Redner wirkt sympathisch und authentisch. Das funktioniert sogar ohne direkten Blickkontakt. Sie können das Lächeln in der Stimme eines anderen hören, auch wenn es nur am Telefon ist. Die Stimme klingt anders, freundlicher, zugewandter.

Es ist sogar für die eigene Gesundheit gut. Wenn ich lächele oder lache, schüttet der Körper Serotonin aus. Serotonin gilt als Glückshormon. Gleichzeitig sinkt die Produktion von Adrenalin und Cortison, den Stresshormonen. Und das funktioniert sogar, wenn mir gerade nicht nach Lächeln ist. Ich kann den eigenen Körper austricksen, indem ich einfach anfange zu lächeln. Der Körper denkt sich „Ich weiß jetzt zwar nicht warum, aber irgendwas scheint gut zu sein, also her mit den positiven Hormonen.“ Wir lächeln uns sozusagen die gute Laune herbei.

Oft sagen Teilnehmer, dass sie ernste Themen vortragen und deswegen ein Lächeln nicht angebracht sei. Männer sagen auch manchmal, sie wollten ernst genommen werden mit ihren Inhalten und nicht wie ein Sunnyboy wirken. Nun, zum einen gibt es einen großen Unterschied zwischen einem zarten Lächeln und einem amerikanischen Zahnpasta-Lächeln, das bis zum Zahnfleisch alles frei legt. Ich spreche vom zarten Lächeln, dabei müssen sich die Lippen noch nicht mal öffnen. Es verändert dennoch die Gesichtszüge komplett.

Zum anderen widerspreche ich bei den „ernsten“ Inhalten. In meiner Zeit als Nachrichtenjournalistin hatte ich ernste Themen. Ich habe Texte gesprochen, wo es um Bombenattentate und Naturkatastrophen ging, bei denen viele Menschen starben. Da konnte ich nicht mit einem Lächeln im Gesicht vertonen. Zum Glück tue ich das auch schon lange nicht mehr. Bei den Trainingsteilnehmern sind die Zahlen im letzten Quartal hinter den Erwartungen zurückgeblieben oder ein neues Produkt entwickelt sich nicht so, wie erwartet. Das ist ärgerlich, nur kein Weltuntergang. Auch hier kann der Redner zuerst mit einem freundlichen Lächeln das Publikum begrüßen. Beim „Verkünden“ der schlechten Nachricht: „Die Quartalszahlen sind hinter den Erwartungen zurückgeblieben, …“ kann der Redner auch ernst schauen. Doch bitte nicht die ganze Präsentation lang.

Also, wie oft haben Sie gelächelt, während Sie diesen Text gelesen haben? Denn heute ist ein guter Tag für ein Lächeln.