Juli und August sind die klassischen Ferienmonate, die Menschen machen Urlaub, sie sind verreist. Oder: Sie nehmen sich eine Auszeit. Das klingt moderner. Wer eine Auszeit nimmt, hat einen Sinn fürs Besondere, fürs Individuelle. Vor allem schwingt in der Formulierung „Ich nehme mir eine Auszeit“ mit, dass ich beruflich so wichtig und deswegen so überlastet bin. Der Autor der Süddeutschen Zeitung Matthias Dobrinski hat die Auszeit sogar als „schöne Schwester und ewige Konkurrentin des Burn-Outs“ bezeichnet.* Wer eine Auszeit macht – egal ob eine Stunde oder drei Monate -, hat auch immer einen Plan, was er mit dieser Zeit anfängt. Meditieren oder mit dem Mountainbike die Alpen überqueren, Wellness im Hide-Away (so heißen die hübschen Spa-Hotels mitten auf dem Land) oder Fotosafari in Island. Was wir nicht tun, ist einfach „nichts“. Zumindest sagt es keiner.

Im alten Rom waren die feriae die Festtage, an denen kein Geschäft betrieben und kein Recht gesprochen wurde, also die Abwesenheit aller Pflichten. Der Mensch braucht einen Lebensrhythmus. Einen Wechsel von Anspannung und Entspannung. Es braucht beides, sonst werden wir krank. Wir Sprechperlen beschreiben unseren eigenen geistigen und körperlichen erstrebenswerten Zustand so: „Wir brauchen eine Frische.“ Das hat einmal eine Kundin zu und über uns gesagt, wir seien immer so erfrischend. Zum Glück erinnert mich meine Geschäftspartnerin Britta Sander immer mal wieder daran. Ich bin ein umtriebiger Mensch und neige dazu, zu viel zu tun. Das schadet am Ende der Qualität. Denn ich brauche die Frische, um meine Arbeit gut zu machen.

Der SZ-Journalist Matthias Dobrinski erinnert in seinem sehr gelungenen Artikel daran, dass es eine der größten Fähigkeiten des Menschen ist, den Alltag zu unterbrechen und sich zu erlauben, etwas anderes zu tun. Das kann kein Tier. Aus der Fähigkeit zu unterbrechen entstehen Gemeinschaft, Freundschaft, Liebe, Religion, Kultur. Es braucht den Mut zur Unterbrechung. Nach einer Weile kommt der Mensch zum Alltag zurück und schaut, was er zurückgelassen hat. Er kann sich die Frage stellen, ob es noch gut so ist.

Ich hatte übrigens einige Wochen lang keine guten Ideen für meinen Blog. In meinem engen Terminkalender wollten an den fünf verbleibenden Minuten eines langen Arbeitstages einfach keine kreativen Ideen mehr kommen. Kaum habe ich ein wirklich freies Wochenende ohne irgendeinen Plan, sprudeln sie schon wieder, die Ideen.

Und heute, was mache ich heute? Mal sehen, ich gehe sicher mal baden und nochmal baden und ich werde mit den Kindern ein Eis essen und nochmal baden gehen.

*„Lob der Leere“ von Matthias Drobinksi, Süddeutsche Zeitung, 28./29.07.2018, S.4

Foto: „Der Mond nimmt sich eine Auszeit“- Mondfinsternis über Kloster Andechs, Alexander Grellmann