Was haben Arnold Schwarzenegger, der Ostwind das Hoch „Ilonka“ gemeinsam? Das ist eine spannende Frage, die sowohl mit dem Wetter als auch der aktuellen Corona-Lage und Sprache zu tun haben. Also Grund genug für einen Blog.


Vor einer guten Woche gab es im Spiegel Online ein Interview mit dem Sprachwissenschaftler Joachim Scharloth, der untersucht hat, inwiefern unser Sprachgebrauch mit und über Corona die Wettermeldungen verändert. Das ist tatsächlich ein spannendes Thema, denn inzwischen sprechen auch Meteorologen von „Hotspots“. Wobei Regen und Schnee schon immer lokale Ereignisse waren. Auch die Wortkreation „Flockdown“ sieht der Sprachwissenschaftler kritisch, denn „man könnte auch einfach sagen: Es ist Winter und es schneit eben.“ Da der Mensch gerne mit Bildern arbeitet, um Situationen zu beschreiben, überträgt er einen Begriff aus der Epidemiologie auf das Wetter, verbunden mit der inzwischen vertrauten Aufforderung, lieber zu Hause zu bleiben. Und das Wort „Flockdown“ kommt halt auch viel besser in einer Überschrift rüber als „starke Schneefälle behindern den Verkehr.“ Als Journalistin versuche ich auch immer Bilder zu kreieren, denn die bleiben den Menschen eindrücklich im Kopf. Daher habe ich im ersten Moment gegrinst, als ich die Bild-Wortschöpfung der „Russlandpeitsche“ gelesen habe. Sie meint: kalte Luft aus dem Osten. Das Bild, das damit erzeugt wird, ist allerdings: es kommt etwas aus Russland, was mir Schmerzen bereitet. Dabei hat Wetter keine Intention, es ist nicht feindselig. Es ist nur da, kalter Ostwind oder wie jetzt das Hoch Ilonka. Ilonka hat uns das phantastische Wochenende beschert, wie hier beim Sonnenuntergang am Ammersee zu sehen ist und sie bleibt noch eine Woche. Wobei es auch schon eine Vermenschlichung des Wetters ist, Hoch- und Tiefdruckgebiete Namen zu geben – doch das ist eine andere Geschichte.


Ich will bei den Worten bleiben, die uns die Epidemie gebracht hat. Hier ist mir die Nutzung des Wortes „Mutanten“ in den letzten Wochen aufgefallen. Mutant! Da habe ich sofort Kino im Kopf. Ich denke an den Film mit Arnold Schwarzenegger „Total Recall“, der im Jahr 2048 auf dem Mars spielt und wo das marsianische Prekariat eben Mutanten sind. Die sehen alle ziemlich entstellt aus. Das Motiv des Mutanten wird überhaupt in vielen Science Fiction-Filmen gespielt, es gibt einen Marvel Comic dazu und verschiedene Serien. Die Mutanten erinnern noch entfernt an Menschen, mal lustig, mal schaurig schön entstellt.


Das Wort Mutation kommt aus dem lateinischen, „mutare“ bedeutet „sich verwandeln, verändern, wandeln“. Die in der Biologie spontan auftretende und dauerhaft bleibende Veränderung nennen wir korrekter Weise Mutation. In den Medien lese ich nun Überschriften wie: „Dritte Welle ist kaum noch zu stoppen. Mutanten stecken viele Kinder an.“ Die war übrigens auch vom Spiegel Online. Liebe Leserin, lieber Leser, was für Bilder ruft das bei Ihnen hervor? Bei mir eher albtraumartige. Ich habe vor einigen Tagen mit einem französischen Freund telefoniert. In Frankreich sprechen die Menschen eher von einer Variante, als von einem Mutant. Auch die FAZ benutzt erfreulich oft das Wort „Variante“. Das schürt bei mir weniger Ängste, es führt sogar dazu, dass ich mehr darüber lese, weil ich mich weniger bedroht fühle. Und mehr Zuversicht statt Angst können wir gerade alle gebrauchen.


Hier der lesenswerte Spiegel-Artikel über das Thema „Sprache und Wetter“.


*Redaktionelle Anmerkung: Zunächst lautete meine Blog-Überschrift: Arnie, Ilonka und die Russlandpeitsche. Ganz selbstkritisch habe ich dann bemerkt, dass ich der Versuchung der „knackigen“ Überschrift beinahe erlegen wäre. Und so ist dann Ostwind ins Spiel gekommen. 😊