Diese Worte wählte in unserem letzten Präsentations-Training ein junger Teilnehmer. „Ab jetzt – für immer“. Ab jetzt will er an seiner Wortwahl arbeiten und das Training wird für immer gehen. Diese Zeitangabe hat der Teilnehmer in seinen Trainingsplan geschrieben. Bei uns Sprechperlen ist es so: Am Ende jedes Seminars reflektieren die Teilnehmer, welche Fähigkeiten sie in Zukunft stärken wollen und tragen es in einen Trainingsplan ein. Ein Aspekt ist der zeitliche Horizont. Manchmal ist es so, dass jemand seine Power-Point-Folien „entschlacken“ will. Also er will weniger Zahlen und Fakten auf eine Seite quetschen. Dann schreibt er als Zeitangabe die nächste Präsentation, die vielleicht in einem Monat ist.

Der bewusste Umgang mit Sprache braucht mehr Zeit. Schon als Kleinkind lernen wir Menschen zu sprechen. Die Sprache macht uns zum Menschen. Unsere Sprache ist geprägt von der Wortwahl unserer Eltern, Erzieher und Lehrer, von unseren Freunden, dem Arbeitgeber oder den Kunden. Oft sind uns diese vielfältigen Einflüsse gar nicht bewusst. Manchmal merken wir nur, dass uns ein bestimmter Ausdruck „angesteckt“ hat. Jemand anders hat ihn gesagt und auf einmal hat er sich in unserem Wortschatz festgesetzt.

Wer etwas an seiner Sprache ändern will, merkt schnell, dass das anspruchsvoll ist. Wir nehmen uns zum Beispiel vor, weniger „müssen“ oder „aber“ zu sagen oder kürzere Sätze zu machen. Oft sind die Trainingsteilnehmer frustriert, dass der Wandel nicht auf Anhieb gelingt. Obwohl sie es doch verstanden hätten. In den Trainings wähle ich dann dieses Bild: Unsere Sprache, das ist wie eine Autobahn in unserem Kopf. Wir nehmen immer wieder die gleiche Ausfahrt. Wenn wir nun etwas an der Wortwahl ändern wollen, dann ist das wie ein kleiner Trampelpfad durch den Urwald. Es geht nur mühsam Schritt für Schritt vorwärts.

Das haben Britta, meine Geschäftspartnerin, und ich am eigenen Leib erlebt. Wir arbeiten beide seit über sechs Jahren bewusst an unserer Sprache, nach dem Lingva-Eterna-Prinzip. Wir korrigieren uns gegenseitig, was den Lernerfolg deutlich erhöht. Wir haben beispielsweise sechs Monate lang ein „aber“-Fasten gemacht. Ein halbes Jahr, obwohl wir doch so „sprachgewandt“ als Journalistin und Moderatorin sind. Das hat uns empört. Und dennoch braucht es seine Zeit.

Dieser Teilnehmer, ein junger Mann aus der Marketingabteilung, Mitte 20, hat es mit seiner Aussage auf den Punkt getroffen. Der Wandel der eigenen Sprache, die sorgsame Wortwahl, das ist ein langfristiges Projekt. Zum Glück gibt es keine Altersbeschränkung nach oben. Ab jetzt – für immer.